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Liturgische Farben

Wie in der Kunst, so haben Farben auch in der Kirche symbolische Bedeutung. Daher wechseln im Verlauf des Kirchenjahres die Farben der Altar- und Kanzelbehänge, der Paramente. Dies ist die Sammelbezeichnung für die Farben, die im Laufe des Kirchenjahres für die Gestaltung der Gottesdienste eine Rolle spielen.

Für Religionsquiz ist der obige Text so formuliert, dass beim Vorlesen zunehmend deutlich wird, um welchen Begriff es sich handelt. Wurde die Antwort noch nicht gefunden, so stehen Begriffe zur Auswahl:

Regenbogenfarben Antependien
Rosetten Liturgische Farben

Zusatzinformationen zu Liturgische Farben:

Liturgische Farben im Laufe des Jahres

Evangelisch - Liturgische Farben im Kirchenjahr

Katholisch - Farben im Liturgischen Jahr

Symbolische Bedeutung der Farben

Geschichte der liturgischen Farben

Die Farben an Fest- und Feiertagen des Kirchenjahres

In der evangelischen sowie katholischen Kirche finden wir (nahezu) dieselbe Ordnung für die liturgischen Farben der Festtage, Feiertage und Festzeiten.

Weiß sind die Christusfeste (wie Weihnachten und Ostern).
Rot sind die Feste der Kirche und der Märtyrer (wie Stefanitag, Pfingsten) und in der katholischen Kirche die Gedenktage an das Leiden Jesu (Karfreitag / Palmsonntag)
Violett/Lilasind die besinnlichen Zeiten und Tage (wie Adventszeit, Passionszeit, Buß- und Bettag).
Grünsind alle Zeiten und Tage im Kirchenjahr, wenn es sich nicht um besondere Feiertage handelt.
Schwarz kann der Karfreitag sein (nur evangelisch) oder der Karsamstag (nur katholisch). Die Totengedenktage sind nicht schwarz; das katholische Allerseelen ist lila. Der evangelische Ewigkeitssonntag ist weiß.

Unterschiede in den Konfessionen gibt es bezüglich einiger konfessionsspezifischer Feiertage. Diese unterschiedlichen Feiertage sind katholischerseits weiße (bzw. blaue) Marientage (wie Mariä Empfängnis am 8. Dezember und Mariä Himmelfahrt am 15. August), Fronleichnam (weiß), Allerseelen (lila) und Christkönig (rot). Auf evangelischer Seite sind dies der Reformationstag (weiß), der Buß- und Bettag (lila) und der Ewigkeitssonntag (weiß bzw. lila, wenn er als Totengedenktag / Totensonntag gefeiert wird).

Liturgische Farben der evangelischen Kirche

Die Ordnung für die liturgischen Farben gilt in der evangelischen Kirche nicht für Gewänder, sondern nur für Antependien (Tücher, die vorn an Altar, Kanzel, Lesepult, Abendmahlstisch) hängen sowie die Stola (falls diese kirchenrechtlich als Teil der Amtstracht genehmigt ist).

Kirchenjahreszeit Farbe
Adventszeit  
Heilig Abend bis So. nach 6. Januar weiß
Bis Beginn der Passionszeit  
Passionszeit bis Karsamstag  
Ostern bis 6. Sonntag n. Ostern weiß
Pfingsten  
1. So. n. Pfingsten (Trinitatis) weiß
1. So. bis 24. So. nach Trinitatis  
Johannistag (24. Juni) weiß
Michaelistag (29. September) weiß
Erntedankfest  
Reformationstag (31. Oktober) weiß
Drittletzter So. im Kirchenjahr  
Vorletzter So. im Kirchenjahr  
Buß- und Bettag  
Ewigkeitssonntag / Totensonntag weiß

Grafik: katechismus21.de

Liturgische Farben der katholischen Kirche

Die Ordnung für die liturgischen Farben gilt in der katholischen Kirche für das Messgewand (Kasel) und die Stola, sowie für Antependien (Tücher, die vorn an Altar, Kanzel, Ambo) hängen.

Zeit Farbe
Adventszeit  
8. 12. / Mariä Empfängnis weiß
Heilig Abend & 1. Weihnachtstag weiß
2. Weihnachtsfeiertag / Stefanitag  
Bis So. nach 6. Januar weiß
Bis zur Passionszeit  
Fastenzeit  
Palmsonntag  
Gründonnerstag weiß
Karfreitag  
Karsamstag  
Ostern bis 6. Sonntag n. Ostern weiß
Himmelfahrt (40 Tage n. Ostern) weiß
Pfingsten (50 Tage nach Ostern)  
1. So. n. Pfingsten (Dreifaltigkeit) weiß
Fronleichnam weiß
1. So. bis 24. So. n. Dreifaltigkeit  
Johannistag (24. Juni) weiß
Michaelistag (29. September) weiß
Erntedankfest  
1. 11 / Allerheiligen weiß
2.11. / Allerseelen  
Cristkönig (letzter So. im Kirchenjahr)  

Grafik: katechismus21.de

 

Die Farbe der Kleidung als Zeichen für den Rang des Amtsträgers

Die Farbe des Messgewands (Kasel) richtet sich nach dem Kirchenjahr; doch die Soutane, das Käppchen (Pileolus), die Gürtelschnur (Zingulum) zeigen bei liturgischen Feiern den Rang der Priester an: Papst = Weiß, Kardinäle = Rot, Bischöfe und Prälaten = Violett, sonstige Priester = schwarz

Die symbolische Bedeutung und Zuordnung der liturgischen Farben

Geistlicher in weißer AmtstrachtWeiß ist die Farbe der Freude, des Friedens, des Lichts, der Vollkommenheit, der Unschuld, der Reinheit.

Es ist in erster Linie die Symbolfarbe für Jesus Christus.

In der evangelischen sowie katholischen Kirche ist weiß die prägende Farbe der Christusfeste, also der Hochfeste Weihnachten und Ostern sowie der gesamten Weihnachtszeit und Osterzeit. Weiß ist auch die Farbe für das Geburtsfest Johannes des Täufers (Johannistag am 24. Juni) und den Tag des Erzengels Michael (am 29. September bzw. gefeiert am vorausgehenden Sonntag).
In der evangelischen Kirche ist weiß auch die Farbe des Reformationstages und des Ewigkeitssonntags.
In der katholischen Kirche ist weiß auch die Farbe der weiteren Christusfeste, wie Fronleichnam und Christi Himmelfahrt. Da erstrahlt das Weiß auch an den Festtagen der Mutter Jesu, den Marienfesten, wie Mariä Empfängnis am 8. Dezember, mitten in der von lila geprägten Adventszeit. Dann ist weiß noch statt rot die Farbe der Heiligen und der Apostel, die nicht als Märtyrer starben (siehe Johannistag).

 

Geistlicher in roter Amtstracht Rot ist die Farbe des Feuers, der Liebe, des Blutes, der Begeisterung, des Heiligen Geistes.

Als Farbe des Feuers, Zeichen des Heiligen Geistes, ist rot natürlich in erster Linie die Farbe des Pfingstrestes. Das gilt für beide Konfessionen gleichermaßen.

In der evangelischen Kirche bleibt die rote Farbe auf das Pfingstfest beschränkt.
In der katholischen Kirche prägt rot als Symbolfarbe noch weitere Feste: Feste der Märtyrer, Feste der Heiligen und der Aposteln, die als Märtyrer starben sowie Tage, an denen man in besonderer Weise des Leidens und Sterbens Jesu gedenkt (Karfreitag, Palmsonntag, Kreuzerhöhung am 14. September 4.) Zum Sakrament der Firmung (da kann die Farbe aber alternativ weiß sein.)

 

Geistlicher in violetter, lila AmtstrachtViolett / Lila ist die Farbe der der Besinnung und Besonnenheit, der Buße, der Umkehr, des Wandels, Neubeginns und Übergangs sowie der Geheimnisse.

In beiden Konfessionen (evangelisch katholisch) ist violett in erster Linie die Farbe der Adventszeit sowie der Passionszeit / Fastenzeit und spezielle Bußgottesdienste.

In der evangelischen Kirche kommt noch der Buß- und Bettag hinzu. Wird dem Ewigkeitssonntag (letzter Sonntag im Kirchenjahr) in Liedern, Texten (Trosttexte / Trauergebete / Trauerpsalm) und Predigt der Schwerpunkt "Totengedenken" gegeben (wird er also als Totensonntag gefeiert), so ist hier die Farbe violett angebracht, statt weiß.
In der katholischen Kirche
ist violett die liturgische Farbe bei Buß- und Beichtgottesdiensten (auch bei der Abnahme der Beichte trägt der Priester eine violette Stola) sowie bei Trauerfeiern und Totenmessen. Neben schwarz ist es die Farbe für Allerseelen. Violett ist die Farbe der Bischöfe und Domkapitulare - da lila einerseits Symbol für Besonnenheit ist, andererseits seit dem Altertum (als Purpur) Zeichen für die Eigenschaften: vornehm, kostbar, herausgehoben.

 

Geistlicher in grüner AmtstrachtGrün ist die Farbe des Wachsens, der Hoffnung, des Lebens, der Natur, der gesamten Schöpfung, des Bleibens und des Vertrauens auf Gott.

Wird kein besonderer Tag gefeiert, der eine andere Farbe erwartet, so bleiben die Paramente, Antependien, Schals und die Trachten der Priester grün.

In der evangelischen und katholischen Kirche gleichermaßen begleitet die Farbe Grün im Hintergrund durch das gesamte Kirchenjahr.

 

Geistlicher in schwarzer AmtstrachtSchwarz ist einerseits die Farbe der Trauer, des Todes, der Nacht der Finsternis. Andererseits ist es die Farbe der Festlichkeit, der Feier, der Geborgenheit, der Geistlichkeit.

Als Symbolfarbe eines Festtages oder gar einer ganzen Zeit im Kirchenjahr hat schwarz keine Bedeutung.

In der evangelischen Kirche ist in erster Linie die Farbe der Amtstracht Geistlicher - unabhängig von Kirchenjahreszeiten. Wird der Ewigkeitssonntag ausdrücklich als "Gedenktag der Entschlafenen" gefeiert, also als Totensonntag, mit entsprechenden Begräbnisliedern und Trauertexten so wird Schwarz das Weiß des Ewigkeitssonntags ersetzen.

In der katholischen Kirche hat Violett als Trauerfarbe das Schwarz weitgehend verdrängt; doch schwarz wird gerade wiederentdeckt. (Die Ordnung für die liturgischen Farben der Amtstracht lässt dies zu / siehe weiter unten). So sind schwarze Gewänder und Antependien zu Allerseelen, zum Begräbnis und zum Totengedenken eine Alternative zu Violett. Am Karfreitag kann zwischen rot und schwarz (das war die Farbe vor der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils) gewählt werden. Am Karsamstag wird vermehrt die schwarze Farbe eingesetzt, um den Kontrast zum österlichen Weiß zu unterstreichen.

 

Geistlicher in sosa, pinker AmtstrachtRosa ist liturgisch die Farbe der Vorfreude, pink erhellt das besinnliche Violett und gibt ihm einen Schimmer der Hoffnung.

Als liturgische Farben gelten nur weiß, rot, violett, grün und schwarz. (Siehe weiter unten zur Geschichte der liturgischen Farben.) Rosa zählt nicht dazu.

In der evangelischen Kirche spielt das Rosa als liturgische Farbe keine Rolle. In der katholischen Kirche hat die Farbe Rosa für zwei Sonntage im Kirchenjahr Tradition: einmal mitten in der Adventszeit und dann mitten in der Passionszeit. Es sind der 3. Sonntag im Advent (der Sonntag Gaudete, deutsch: Freuet euch!) und der 4. Sonntag der Fastenzeit (Laetare, deutsch: freue dich!). Letzterer war früher unter dem Namen Mittfastensonntag bekannt und trägt auch noch den Namen: Rosensonntag. Beide Tage sollen einen freudigen Ausblick auf die bevorstehenden Jubeltage (Geburt bzw. Auferstehung Jesu) vermitteln. Das geschieht mit Texten und Liedern und da passt es, dass man das violett aufhellt: Rosa ist dann angesagt. Doch viele Gemeinden leisten sich nicht extra für zwei Tage teure Paramente - also bleibt lila aufgelegt. Das im II. Vatikanischen Konzil verabschiedete katholische Messbuch schreibt: "Rosa kann an Gaudete (3. Adventssonntag) und Laetare (4. Fastensonntag) verwendet werden."

 

Geistlicher in blauer AmtstrachtBlau galt früher als edel, weil teuer. Es ist die Farbe des Himmels, der Sehnsucht, der Freiheit und (heutzutage ist das anders), es ist (besser war) die Farbe der Weiblichkeit. Es ist die Farbe der Gottesmutter Maria.

ist Im katholischen Messbuch der römisch katholischen Kirche (Missale Romanum) von 1570 (verabschiedet auf dem Konzil von Trient) wurde blau, wie auch gelb als liturgische Farbe gar verboten. Das II. Vatikanische Konzil hat dieses Verbot nicht erneuert, der Farbe aber auch keine Aufmerksamkeit geschenkt.

In der evangelischen Kirche spielt blau keine festgelegte liturgische Rolle im Kirchenjahr. In der katholischen Kirche, so lese ich auf Wikipedia unter "Liturgische Farben" (und so weiß ich aus meiner Kindheit in einem bayrischen Dorf), nutzt man blaue Paramente an Marienfesten.

Bei den Neujahrsfeierlichkeiten am 1. Januar 2020 sorgte Papst Franziskus beim katholischen Kirchenvolk für Aufsehen, da seine weißen Gewänder mit blauen Applikationen verziert waren, obwohl der Vatikan seit Jahrhunderten beteuert: "Der Gebrauch der Farbe blau ist ein Missbrauch und abzuschaffen."

Abbildungen: katechismus21.de

 

Geschichte der liturgischen Farben

Geschichte der liturgischen Farben in der der katholischen Kirche

Im 9. Jahrhundert begann man, der jeweiligen Kirchenjahreszeit, den Festen und Feiertagen bestimmte Farben zuzuordnen. Diese Farben prägten dann zunehmend die Gewänder der Geistlichen und die Tücher am Altar und der Kanzel (Antependien). Doch über Jahrhunderte gab es keine einheitliche Reglung. Erst im Jahr 1570, im Konzil von Trient, einigte sich die römisch katholische Kirche auf liturgische Farben und ihre Zuordnung zu den Fest- und Feiertagen. Auch die Farbe Rosa für den Rosensonntag war dabei. Blau und Gelb wurden verboten. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965 in Rom) bestätigte die Anzahl der liturgischen Farben mit fünf: Weiß, Rot, Grün, Violett, Schwarz - mit einer Kannbestimmung (kann verwendet werden) für schwarz und auch rosa.

Verwendung der liturgischen Farben in der evangelischen Kirche

(Dieser Artikel ist etwas länger, denn in der evangelischen Kirche gibt es keine einheitlichen Reglungen für die Amtstracht - und die unterschiedlichen Regeln, so man sie wahrnimmt, werden auch sehr individuell und kreativ interpretiert.)

Die Reformation schaffte die liturgischen Farben nicht ab! Die Kirchen der Reformation (lutherischer sowie calvinistischer Prägung) schafften aber mit dem Priestertum (evangelische Pfarrer sind keine Priester) die liturgischen Gewänder ab. Damit fiel dieser zentrale Anwendungsbereich (neben den Antependien) für liturgische Farben weg. Es blieb der schwarze Talar. Man könnte meinen, schwarz sei also hier als liturgische Farbe geblieben; nein, denn der Talar ist kein liturgisches Gewand. Er ist schlicht Amtskleidung und war auch Ausgehkleidung der Akademiker.

Die Kirche calvinistischer Prägung (reformierte Kirche) verbannte Schmuck, Bilder, Zierrat aus ihren Kirchen und mit den textilen Schmucksachen verschwand der zweite Anwendungsbereich für liturgische Farben.

In den lutherischen Kirchen als "Kirche des Wortes" spielten die Bereiche, welche die Sinne ansprechen (Symbole, Zeichenhandlungen, Farben) eine untergeordnete Rolle. Also vernachlässigte man die liturgischen Farben. Wie damit umgegangen wird, lag und liegt sehr am Interesse der jeweils zuständigen Geistlichen und der gemeindlichen Leitungsgremien (Presbyterium, Kirchenvorstand, Kirchengemeinderat, Ältestenkreis oder Gemeindevorstand).

Seit Beginn dieses Jahrhunderts ist in der gesamten evangelischen Kirche ein Wandel zu erkennen. Das 1999 eingeführte neue Evangelische Gottesdienstbuch betont die Bedeutung von liturgischen Symbolen, Symbolhandlungen, Bildern. Dies und die geforderte "ökumenische Weite" fördert das Verständnis für liturgischen Farben. So wird man heute kaum noch eine evangelische Gemeinde finden (bis vor einigen Jahren gab es sie noch), in der von Advent bis Ewigkeitssonntag dieselben Antependien am Altar und der Kanzel hängen. Dieser Wandel betrifft auch die Tücher am Abendmahlstisch und Lesepult reformierter Gemeinden.

Seit ein paar Jahren ziehen Farben zunehmend in die Gottesdienstkleidung evangelischer Geistlicher ein. Neben dem schwarzen Talar sieht man auch weiße Gewänder (Alben) und verschieden farbige Stolen (auch in den Regenbogenfarben) zum Talar bzw. zur Albe getragen. Eine einheitliche Reglung, wie in der katholischen Kirche, gibt es hier nicht.

Siehe auch unter "Farben":

Die Vorschriften für den Gebrauch der Farben laut Messbuch (Missale Romanum) der katholischen Kirche

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