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Buchstabe T

Talar

Priester sind Mittler zwischen Gott und den Menschen. Das wollen evangelische Geistliche nicht sein, da jeder Mensch für sich selbst vor Gott stehen kann und soll. Zur Amtskleidung evangelischer Geistlicher gehören daher grundsätzlich keine priesterlichen Gewänder. Aber, dass sie Anwalt der Menschen sein wollen, zeigt sich an ihrer Amtstracht.

Dieses schwarze Gewand, das evangelische Geistliche vor allem bei Gottesdiensten und Amtshandlungen tragen, hat also auffällige Ähnlichkeit mit der Amtskleidung von Anwälten und Richtern. Zur Zeit Luthers war dieses Gewand die alltägliche Kleidung der Akademiker.

Für Religionsquiz ist der obige Text ist so formuliert, dass beim Vorlesen zunehmend deutlich wird, um welchen Begriff es sich handelt. Wurde die Antwort noch nicht gefunden, so stehen Begriffe zur Auswahl:

Soutane Beffchen
Barett Talar

Zusatzinformationen zu Talar:

Der Talar ist ist als Amtskleidung gesetzlich geschützt!

Da der Talar bis zu den Knöcheln reicht, hat er seinen Namen vom lateinischen Wort für Knöchel = talus. Oft bitten mich Freunde: "Kannst du mir deinen Talar für Karneval leihen?"; das muss ich dann mit Hinweis auf das Strafgesetzbuch verneinen. Da heißt es im § 132a: "Wer unbefugt inländische oder ausländische Uniformen, Amtskleidungen oder Amtsabzeichen trägt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft." Das gilt laut Gesetzbuch für Amtsbezeichnungen, Titel, Würden, Amtskleidungen und Amtsabzeichen der Kirchen und anderen Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechts. Talar und Beffchen sind also als Amtskleidung gesetzlich geschützt.

 

Der Ursprung des Talars

Zum Ursprung des Talars sind sehr unterschiedliche und teilweise falsche Informationen im Umlauf. So ist es nicht ganz richtig, dass Martin Luther den Talar als Amtstracht der evangelischen Pfarrer eingeführt hat. Auch war der Talar nicht die übliche Tracht der Akademiker zur Zeit Luthers. Der Talar wurde erst viel später kreiert.

Welche Kleidung trug Luther im Gottesdienst und zur Eucharistie?

Patrizier mit Schaube und Barett

Martin Luther trug zur Feier des Abendmahls priesterliche Gewänder, also das Messgewand (die Casel) in den liturgischen Farben mit Stola über der Albe. Ansonsten trug er im Gottesdienst wie im Alltag seine Alltagskleidung: die Schaube.

Die Schaube

Das Bild, ein Gemälde von Jerg Ratgeb (1480 bis 1526) aus dem Städelschen Kunstinstitut Frankfurt, zeigt einen Patrizier im Jahr 1504 mit Schaube und Barett.

Die Schaube war ein weiter, mantelhafter, faltenreicher Umhang (Überwurf). Sie hatte entweder weite Schlabberärmel oder war ärmellos mit zwei Schlitzen an der Seite für die Arme. Die Schaube war zur Zeit der Reformation die verbreitete, edle Ausgehkleidung der Männer. Die Schaube war so weit geschnitten, damit man den Wams darunter tragen konnte. Sie war in allen Farben verbreitet, auch mit Pelzkragen und verziert mit edlen Stickereien. Die übliche Schaube der Zeit reichte, um beim Bewegen nicht hinderlich zu sein, nur bis zu den Knien. Humanistische Wissenschaftler, insbesondere der theologischen Fakultäten trugen sie allerdings schlicht, ohne Pelz, schwarz und lang bis zu den Knöcheln. Da evangelische Pfarrer sich nicht als Priester verstanden und verstehen, legten viele von ihnen nach der Reformation die priesterlichen Gewänder ab. Sie behielten dann während der Gottesdienste ihre alltägliche Schaube an, auch zur Feier der Eucharistie.

Der Talar evangelischer Geistlicher

Man könnte die Schaube Talar nennen, doch sie ist nur ein Vorläufer des Talars. Der Talar, wie wir ihn kennen, entstand später und wurde erst im 19. Jahrhundert eingeführt. Der preußische König Friedrich Wilhelm III., der von 1797 bis 1840 regierte, wollte in seinem Reich Einheitlichkeit, auch in der Kirche. So entwickelte Friedrich Wilhelm III. eine einheitliche Gottesdienstordnung (Agende), damit seine Soldaten aus unterschiedlichen Regionen und mit unterschiedlichen Konfessionen gemeinsam feiern konnten. Er wollte auch eine einheitliche Kleidung; so kreierte er den Talar, wie wir ihn heute kennen und führte ihn per Verordnung vom 1. Januar 1811 als verbindliche einheitliche Amtstracht für Pfarrer ein. Schnell verbreitete sich dieses Kleidungsstück auch in den anderen deutschen Ländern als gottesdienstliches Gewand protestantischer Geistlicher. Zum Talar gehört seither das Beffchen. Möglich ist statt Beffchen auch der Stehkragen oder (in einigen Städten Norddeutschlands) die Halskrause (auch Duttenkragen, Kröse, Wagenrad oder Mühlstein genannt).

(Obige Informationen aus: Erika Thiel, Geschichte des Kostüms, Berlin 1960 und Martha Bringemeier, Priester und Gelehrtenkleidung, Münster 1974)

Die heutige Amtskleidung evangelischer Geistlicher

Die Kirchenleitung (der jeweiligen Landeskirche) legt durch Rechtsverordnung fest, ob und unter welchen Umständen eine andere Amtstracht (Albe, Chorhemd, Stola) getragen werden kann. Eine helle Albe sowie eine Stola in liturgischer Farbe bzw. in Regenbogenfarben ist in vielen Landeskirchen möglich. Im Freien (und nur im Freien) kann das Barett aufgesetzt werden. Es gibt verschiedene Formen des Baretts. Am weitesten verbreitet ist das "Luther-Barett". Das ist eine flache, runde, quastenlose Samtmütze.

 

Unterschied zwischen Talar, Lutherrock, Soutane und Albe

Schwarzer Talar

DER TALAR

In der evangelischen Kirche

Der Talar, die Amtstracht evangelischer Geistlicher, ist ein weites, bis zu den Knöcheln reichendes, generell schwarzes, nicht tailliertes Gewand. Dieser Talar fällt locker, in vielen welligen Falten herab; die Ärmel sind besonders weit geschnitten. Auf etlichen Internetseiten kann man lesen, der Talar habe (bzw. hatte früher) sieben Knöpfe. Da wird aber wohl der Talar mit dem Lutherrock verwechselt, denn der hat sieben Knöpfe. Der Talar wird seit jeher bis unten mit siebzehn verdeckten Knöpfen zugeknöpft. Die siebzehn Knöpfe stehen symbolisch für die Zehn Gebote plus die sieben Bitten des Vaterunsers.

Der Talar in der katholischen Kirche

Katholische Geistliche kennen den Talar auch als ärmelloses Untergewand (das aber auch Ärmel haben kann) mit einer Längsfalte am Rücken. Im Unterschied zur Soutane ist dieser Talar nicht tailliert, sondern weit geschnitten. Auch dieser "katholische Talar" ist bei Geistlichen in der Regel schwarz. Doch er ist (im Gegensatz zum Talar der evangelischen Kirche) nicht den Geistlichen vorbehalten. Er ist auch ein liturgisches Kleidungsstück für Laien, die den Gottesdienst mitgestalten; sie tragen ihn in liturgischen Farben unter einem Rochette. ("Rochette = Ein weißes, hemdartiges Kleidungsstück, das im Gottesdienst über dem Talar oder der Soutane getragen wird – auch von Laien, die im Altarbereich einen liturgischen Dienst versehen." So beschrieben in kirche-und-leben.de/was-die-Kleidung-im-Gottesdienst-bedeutet)

DER LUTHERROCK

Der Lutherrock ist ein schwarzes, fast knielanges, hochgeschlossenes Jackett ohne Revers, dafür mit kleinem Stehkragen. Er ist einreihig bis zum Bauch mit sieben sichtbaren, satinbezogenen Knöpfen in handgestickten Knopflöchern geschlossen. Die sieben Knöpfe stehen zeichenhaft für die sieben Bitten des Vaterunsers. Der Lutherrock liegt eng an, auch an den Ärmeln. Eine Falte hat er höchstens hinten unterhalb der Taille, was das Sitzen erleichtert. Er liegt so eng an, damit er auch unter dem Talar getragen werden kann. So müssen sich die Geistlichen bei offiziellen Anlässen vor und nach dem Gottesdienst nicht umziehen, sondern können einfach den Talar überziehen. Zum Lutherrock gehört das Kreuz, das an einer bis zur Brust reichenden Kette sichtbar um den Hals getragen wird.

Der Ursprung des Lutherrocks

So wie König Friedrich Wilhelm III. von Preußen den Talar einführte (siehe weiter oben), so ist es sein Nachfolger Friedrich Wilhelm IV. (1795 - 1861), der für den Lutherrock verantwortlich ist. Und das kam so: Als vornehme Herrenkleidung war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Frack verbreitet. Dem König war diese französische Mode ein Dorn im Auge. Den Frack ließ er als halbes, unvollständiges, zerfetztes Kleidungsstück verhöhnen, das weder vorn noch hinten den Körper bedeckt; und statt in Uniform, lies er sich im "Deutschen Rock" porträtieren. Der reichte bis zu den Knien und war im Gegensatz zum Frack rundherum geschlossen. So wurde der bürgerliche Gehrock des 19. Jahrhunderts populär und in Anlehnung an ihn entstand der hochgeknöpfte Lutherrock. Luther kannte dieses nach ihm benannte Kleidungsstück also noch nicht. Seinen Namen trägt es aufgrund der Funktion als Amtsrock der lutherischen Geistlichen.

Der Lutherrock wird manchmal mit der Soutane verwechselt. Bezüglich seiner Funktion kann man ihn auch durchaus als protestantisches Gegenstück zur Soutane katholischer Geistlicher sehen. Doch die Soutane reicht bis zu den Knöcheln.

Den Lutherrock sieht man heutzutage wieder vereinzelt bei jüngeren Pfarrern, die damit eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte betonen möchten. Ins öffentliche Bewusstsein ist dieser Amtsrock wieder durch Bischof Heinrich Bedford-Strohm, dem Ratsvorsitzenden der EKD, getreten. Er trägt ihn insbesondere zu amtlichen ökumenischen Anlässen.

DIE SOUTANE

Die Soutane ist das Amtskleid des katholischen Klerus. Auch Seminaristen der Priesterseminare und Brüder verschiedener Orden tragen die Soutane. Sie ist im Gegensatz zum Talar bis etwa zur Hüfte tailliert geschnitten und wird mit 33 Knöpfen geschlossen. Die 33 Knöpfe stehen zeichenhaft für die Lebensjahre Jesu. Zumeist ist sie aus schwarzem Stoff; doch in den südlichen Ländern ist sie auch weiß oder in naturbelassenem Leinen. In manchen Regionen (und in Österreich) sagt man zur Soutane auch Talar.

An der Soutane erkennt man den priesterlichen Rang!

Die Soutane des Papstes ist weiß, die der Kardinäle rot oder schwarz mit hellroten Knöpfen, die der Bischöfe in violett oder schwarz mit rubinroten Knöpfen, die der Priester schwarz.

DIE ALBE

Die "katholische" Albe ist ein weiter, Hemdkittel mit Ärmeln der bis zu den Füßen niederfällt und als Schlupfgewand über den Kopf her angezogen wird. Dieses, den ganzen Körper einhüllende sakrale Kleidungsstück ist aus weißem oder auch naturbelassenem Leinen. Da die Albe nicht einen priesterlichen Rang symbolisiert, sondern zeichenhaft für das Taufgewand steht, also für die Taufe, kann sie zu liturgischen Diensten auch von Laien (Lektoren, Ministranten, Kommunionhelfern) getragen werden.

Die Albe in der evangelischen Kirche

In der evangelischen Kirche kennt man die Albe auch als Amtstracht von Diakon*innen sowie Lektoren, Prädikanten, Laienpredigern, Hilfspredigern. Sie ist hier der "Weiße Talar". In der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche kann der "Weiße Talar" mit Stola in den liturgischen Farbe des Kirchenjahres von den Geistlichen im Gottesdienst getragen werden - zu Wortgottesdiensten sowie zu Abendmahlsgottesdiensten.

 

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